2.2 Training maßschneidern

Beim Training mit den Agile Moves geht es nie darum, ein vorgefertigtes Training zu verfolgen. Alle bestehenden Trainingskarten und Trainingspläne sind erprobte Vorgehensweisen, aber auch sie sind nur Vorschläge, die mir und meinem Team helfen können, das passende Training für uns zu entwickeln.

Die Prozessdimensionen helfen bei der Einschätzung, wie wir trainieren und welche Art von Commitment jeder eingehen möchte. Dabei gibt es kein Richtig oder Falsch, sondern im besten Fall eine Wahrnehmung, zu welchem Trainingsschritt jeder Einzelne wirklich bereit ist. Im Bild vom Elefanten und seinem Reiter[1], in dem der Reiter die Kognition und der Elefant die Emotion verkörpert, kann sich der Reiter zwar entscheiden, in welche Richtung er nun gehen möchte, doch wenn der veränderungsscheue Elefant nicht mitzieht, wird es schwierig, neue Wege zu beschreiten. Unser Elefant möchte aber in der Regel keine 90° Wendung und mit Schwung ab ins unbekannte Gebüsch, sondern lieber mit kleinen Schritten Neues erkunden und sich dabei sicher fühlen.

Für Veränderungen bedeutet das: Kleine passgenaue Schritte, so einfach, dass man sie fast nicht lassen kann. Wenn etwas im Training nicht funktioniert, hat niemand einen Fehler gemacht, sondern gibt es mit dem Scheitern eine weitere wichtige Information darüber, wo die Trainierenden gerade in der aktuellen Situation mit den gegebenen äußeren Bedingungen stehen – auch wenn das nicht immer das ist, was wir wissen wollten. Sehr oft war dann der Trainingsschritt zu groß. Kein Problem: Was könnte ein kleinerer Schritt sein, der funktioniert? Nur wenn die Trainingsschritte klein, einfach und passend sind, wird das Training auf Dauer erfolgreich sein und die Veränderungen umgesetzt werden, denn dann geht es leicht und macht Spaß und man bleibt freiwillig dran, weil es funktioniert. Veränderungen nachhaltig umzusetzen ist ein Marathon und kein Sprint. Wer auf die lange Distanz auf dem ersten Teil der Strecke bis an seine Grenzen geht und sich verausgabt, wird nur selten die Ziellinie erreichen.

Es ist ein bisschen wie beim Hanteltraining: Wenn ich mir ein zu schweres Gewicht auf die Hantel lege, kann ich sie nicht stemmen, kann mich verletzen und bin vielleicht frustriert. Möglicherweise habe ich beim nächsten Mal dann weniger Lust, an die Hantel zu gehen, muss den Widerstand überwinden und habe weniger Spaß. Lege ich mir ein zu leichtes Gewicht auf, bringt mir das Training kein Erfolgserlebnis.
Welches Gewicht für mich das Richtige ist, kann ich anhand der Überlegung, wie ich trainieren möchte und wozu ich mich dabei verpflichten möchte, selbst entscheiden.

[1] Haidt, J. (2006): The Happiness Hypothesis: Finding Modern Truth in Ancient Wisdom. Basic Books
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  5 comments for “2.2 Training maßschneidern

  1. Milenko Bugueno
    Samstag, 23. April 2016 at 11:20

    Beim Training mit den Agile Moves geht es nie darum, ein vorgefertigtes Training zu verfolgen –> wieso nicht? Das kann ich doch machen, zum Beispiel für den Start. Es ist vielleicht nicht die beste Methode aber legitim.

  2. Milenko Bugueno
    Samstag, 23. April 2016 at 12:49

    der veränderungsscheue Elefant –> Ich bin mir nicht sicher, ob der Elefant veränderungsscheu ist. Er möchte einfach was anders als der Reiter.

  3. Milenko Bugueno
    Samstag, 23. April 2016 at 12:50

    Unser Elefant möchte aber in der Regel keine 90° Wendung und mit Schwung ab ins unbekannte Gebüsch –> Wenn im unbekannte Gebüsch ein Haufen Erdnüsse gibt, wird der Elefant 100% die 90° Wendung machen.

  4. Milenko Bugueno
    Samstag, 23. April 2016 at 13:01

    lieber mit kleinen Schritten Neues erkunden und sich dabei sicher fühlen –> Die kleinen Schritten sind aus meiner Sicht genauso wichtig für den Reiter. Der Reiter braucht auch Zeit, um die neuen Erkenntnisse zu verarbeiten und die neue Richtung zu bestimmen.

  5. Milenko Bugueno
    Samstag, 23. April 2016 at 13:03

    Hanteltraining Analogie finde ich super.

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