1.3 Warum es im Team leichter geht

Veränderungen aktivieren unsere Angstreaktion. Jedes höher entwickelte Lebewesen hat eine natürliche Weise, mit Angst umzugehen. In sicheres Terrain flüchten und weitergrasen, auf den nächsten Ast fliegen. Auch der Mensch hat eine solche natürliche Angstabbau-Methode, die Kinder noch völlig selbstverständlich benutzen. Bei uns Erwachsenen hingegen ist die für das komplexe Denken verantwortliche Großhirnrinde so mächtig geworden, dass sie uns von einer gesunden Angst-Reaktion abhält und sie mit anderen, ungesunderen Reaktionen überschreibt. Gern verwendete Strategien sind, die Angst so gut wie es geht zu unterdrücken, in Ärger als Ersatzgefühl zu wechseln, zu kritisieren und zu nörgeln oder beispielsweise auch einfach zu essen, denn es ist physiologisch unmöglich, gleichzeitig zu essen und Angst zu haben. Leider hält das nur für die Dauer der Nahrungsaufnahme an.

Eine gesunde Reaktion auf Angst ist die Aktivierung des Bindungssystems [1, 2]. Sobald wir etwas verändern wollen, hilft uns das Gefühl, nicht alleine zu sein.
Ein Kind, dass Angst hat, flüchtet instinktiv zu den Eltern oder zu einer anderen wichtigen Bezugsperson. Die natürliche menschliche Reaktion auf Angst ist, sich Unterstützung bei anderen Menschen zu suchen! Es gibt viele familiäre und gesellschaftliche Gründe, im Laufe unserer Lerngeschichte mehr und mehr zu einem Einzelkämpfer zu werden und dabei zu glauben, dass es gut und erstrebenswert ist, unabhängig zu sein und es allein schaffen zu müssen. Doch der Preis dafür ist hoch und zu einem großen Teil versagen wir uns dadurch – neben anderen Nachteilen – die natürliche Variante des Umgangs mit Angst.

Denn Angst war und ist ein normaler und nützlicher Bestandteil unseres Lebens, wenn sie als eine Information genutzt wird und nicht zum Dauerzustand werden muss. Und es ist äußerst klug, sich ein Netzwerk aus Menschen zu schaffen, die in den unterschiedlichen Lebenssituationen da sind und uns unterstützen. Unterstützung kann auf vielerlei Weise erfolgen und hängt immer vom Anlass ab. Habe ich im Job ein Problem zu lösen, kann mir beispielsweise schon eine Diskussion mit meinen Teammitgliedern helfen, denn sie gibt mir inhaltlich Input und auf der neurophysiologischen Schiene bekomme ich unbewusst die Information, dass ich nicht allein bin. Das Gefühl, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und mit den Menschen in einem Team synchronisiert zu sein, ist einer der besten Angstabbau-Methoden, die wir haben.

 

Quellen:

[1] Spangler, G., Zimmermann, P. (Hrsg.): Die Bindungstheorie: Grundlagen, Forschung und Anwendung. Klett-Cotta; 7. Auflage
[2] Schöps, C.: Warum uns Veränderungen so schwerfallen. http://www.stern.de/gesundheit/loslassen-lernen-warum-uns-veraenderungen-so-schwerfallen-3926206.html, abgerufen am 15.03.2016
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  5 comments for “1.3 Warum es im Team leichter geht

  1. Wolfgang Brandhuber
    Samstag, 9. April 2016 at 0:34

    „sie mit anderen, ungesunderen Reaktionen überschreibt.“ > die Reaktionen sind nicht notwendigerweise ungesund, sie können uns auch weiter bringen. Angstreaktionen nicht nachgeben zu müssen bringt auch ein sehr große Freiheit mit sich.

  2. Wolfgang Brandhuber
    Samstag, 9. April 2016 at 0:34

    „Aktivierung des Bindungssystems.“ > Quellenangabe fehlt.

  3. Wolfgang Brandhuber
    Samstag, 9. April 2016 at 0:36

    „die gesunde Variante des Umgangs mit Angst.“ > eine gesunde Variante des Umgangs mit Angst.

  4. Milenko Bugueno
    Mittwoch, 13. April 2016 at 19:08

    „Es ist physiologisch unmöglich, gleichzeitig zu essen und Angst zu haben“ –> echt? Wieso?

  5. Milenko Bugueno
    Mittwoch, 13. April 2016 at 19:25

    Das Team kann sich also gegenseitig motivieren. Es ist leichter, sich in einem Team auf ein Marathon vorzubereiten als alleine.

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