1.1 Das Problem mit Veränderungen

Um zu verstehen, warum Veränderungen für die meisten von uns so schwierig sind, hilft es, sich mit den Mechanismen vertraut zu machen, die dahinter liegen. Die Ursache für unsere Veränderungsresistenz liegt in unserem Gehirn, genauer gesagt im Limbischen System und hat uns in der menschlichen Evolution gute Dienste geleistet.

Dort werden – vereinfacht gesagt – unsere Emotionen verarbeitet und dort sitzt auch die Amygdala, eine Struktur, die Informationen mit Emotionen verbindet und wie eine Alarmanlage für unsere Kampf-oder-Flucht-Entscheidung verantwortlich ist. Alles Neue, jede Art der Abweichung von Gewohnheiten und Routinen löst dort eine mehr oder weniger intensive Angstreaktion aus.

Wieso Angst? Angst ist kein einfaches Thema, denn die meisten von uns finden es unangenehm, sich damit auseinanderzusetzen, obwohl es eines unserer wichtigsten und nützlichsten Gefühle ist. Wir entwickeln im Laufe unseres erwachsenen Lebens eine ganze Menge Umschreibungen für Gefühle aus der Angstecke, doch egal ob wir es als Stress bezeichnen oder Sorge, innere Erregung oder Unsicherheit, dahinter steckt immer Angst. Auch, wenn wir die meisten Erscheinungsformen dieses Gefühls lieber anders benennen, lässt sich der Körper nicht täuschen, denn physiologisch laufen immer genau die gleichen Prozesse ab. Das bedeutet, Unsicherheit Stress und Angst mögen vielleicht für unser eigenes Weltbild unterschiedliche Gefühle sein – unserem Körper ist das jedoch egal, für ihn ist es das gleiche, nur in unterschiedlicher Intensität [1].

Und das ist schon durch die ganze Evolution hinweg für unser Überleben wichtig, bis heute.

Warum sonst gehen wir nicht einfach über eine belebte Straße, ohne auf den Verkehr zu achten? Ohne die Angst vor den Folgen eines Unfalls gäbe es keinen Grund. Fühlen wir tatsächlich Angst am Rande der Straße? Die meisten Menschen würden dies verneinen und doch ist sie die Ursache dafür, dass wir lieber stehen bleiben und auf den Verkehr achten, bevor wir loslaufen. Zum Glück ist das der Fall, denn ohne Angst würden die wenigsten von uns die nächsten 4 Wochen überleben [2].

Das Problem ist nur, dass die Angstreaktion (wie stark auch immer) auch dann abläuft, wenn wir etwas bewusst verändern wollen. Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, warum wir Gewohnheiten so schätzen: Bei automatisierten Tätigkeiten werden wir vom Gehirn mit der Ausschüttung von körpereigenen Opiaten belohnt, also Wohlfühlstoffen.

Es ist also sehr verständlich, warum wir an unseren Gewohnheiten festhalten – sogar dann, wenn wir wissen, dass eine Veränderung besser für uns wäre.

 

Quellen:

[1] MedizInfo®: Reaktionsketten des Organismus bei Angst. http://www.medizinfo.de/kopfundseele/angst/reaktionskette.shtml. Abgerufen am 02.03.2016 [2] Maurer, R.(2014): One small step can change your life, Workman Publishing. [3] Kuhl, J. (2009): Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie: Motivation, Emotion und Selbststeuerung, Hogrefe

[4] Schwing, R. (2010): Wenn die Amygdala feuert. Krisenverhalten im Lichte der Neurobiologie. in RKW-Magazin 2/2010

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  2 comments for “1.1 Das Problem mit Veränderungen

  1. Wolfgang Brandhuber
    Samstag, 9. April 2016 at 0:26

    Danke Silke!

  2. Milenko Bugueno
    Mittwoch, 13. April 2016 at 18:50

    Danke Silke!
    Ich finde auch das Buch Switch als super Grundlage für dieses Thema.

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